Nightmare Creatures 2 (Test)

Nightmare Creatures 2 (Test)

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Version vom 6. Oktober 2015, 22:06 Uhr von Roberto (Diskussion | Beiträge)

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Nightmare Creatures 2
Nightmarecreatures2pal.jpg
Genre Action
Erschienen Us.png 09.06.2000
Eu.png Sep. 2000
Entwickler Kalisto Entertainment
Vertrieb Konami
Online-Funktionen keine
Spieler 1
Kompatibel mit VMU, Vibration Pack,
VGA-Box
Mehr Infos Weitere Daten


Nightmare Creatures 2 vom französischen Studio Kalisto dürfte eher wenigen Dreamcast-Besitzern ein Begriff sein und wenn doch mal jemand davon gehört hat, dann war es vermutlich nichts Gutes. Das ist einer der Gründe, warum ich es zwar schon viele Jahre besitze, aber bisher nie richtig gespielt habe. Nun hat es aber doch den Weg in meinen Dreamcast gefunden und so viel kann ich wohl schon vorwegnehmen: es ist tatsächlich kein gutes Spiel.

Ein echter Albtraum

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Die Geschichte des Spiels beginnt im London der 1930er Jahre und damit ein Jahrhundert nach dem ersten Teil. Der verrückte Okkultist Adam Crowley hat seine Experimente aus dem ersten Teil fortgeführt und nachdem er den Geheimbund der Monsterjäger mehr oder weniger ausgelöscht hat, überzieht er Europa allmählich mit Horden von Untoten und Monstern. Zur gleichen Zeit befreit sich Wallace, ein Mitglied des besagten Geheimbundes, aus der Zelle, in die Crowley ihn einst geworfen hat, um seiner Freundin und dem Rest der Welt zur Hilfe zu eilen.

Auf der Jagd nach Crowley kommt ihr nicht nur durch London, sondern auch in ein altes Schloss und schließlich ins verwüstete Paris. Klingt nach einer interessanten Reise? Auf dem Papier schon, doch viel zu sehen gibt es dort nicht und das Design der Levels lässt meistens kaum erahnen, wo ihr euch da gerade genau befindet. Überhaupt fällt der ganze Aufbau der Umgebungen nicht gerade einfallsreich aus. Natürlich ist es ein altes Spiel und die PS1 war die Lead-Plattform, aber Titel wie Soul Reaver, Silent Hill oder Syphon Filter sind noch älter und beschränkten sich trotzdem nicht auf derart detailarme Levelarchitekturen. Von den miesen Texturen und den nicht gerade vor Polygonen strotzenden Figuren will ich gar nicht erst anfangen.

Ebenso dröge und uninspiriert fällt leider auch der Spielverlauf aus: Ihr hetzt stupide durch die gleichermaßen leeren wie linearen Level und begegnet dabei alle paar Meter 1-2 Gegnern, die aus dem Weg geräumt werden müssen. Die Kämpfe bilden also den Kern des Spiels, doch wer glaubt, dass man sich zumindest hier richtig Mühe gegeben hätte, der irrt. Dass ihr automatisch den Gegner anvisiert und die Kamera dabei gerne mal an ungünstigen Stellen hängt, ist sogar noch ein kleineres Übel. Viel schlimmer ist, dass die Entwickler euch spielerisch auf das Nötigste beschränken und neben einem Block gerade mal zwei Angriffsarten bieten, die letztendlich nicht mal einen nennenswerten Unterschied machen. Zwar könnt ihr durch die richtige Tastenfolge auch Komboangriffe vollführen, doch auch davon gibt es nur zwei Varianten. Die Monster sind dabei übrigens durchweg echt faire Sportsmänner, denn wenn sie in der Überzahl sind, dann warten sie mit dem Kämpfen ganz brav, bis sie an der Reihe sind. Alles andere würde angesichts der sehr kleinen Areale auch gar nicht funktionieren.

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Für ein klein wenig Abwechslung sorgen lediglich die zahlreichen Gegner-Typen, die zum Teil auch mal eine etwas andere Herangehensweise erfordern. Die meisten Gegner lassen sich mit etwas Übung (oder viel Geduld) ziemlich leicht erledigen und auch bei den großen Brocken findet sich zumeist recht schnell eine passende Strategie. Wirklich anspruchsvoll wird es dabei wie gesagt nie, aber gefährlich kann es trotzdem werden, wenn ihr mal wieder in einer Ecke kämpft und plötzlich durch einen Bug ordentlich einstecken müsst. All das wäre ja noch zu verschmerzen, wenn man euch wenigstens hin und wieder mal eine neue Waffe in die Hand gedrückt hätte, aber man lässt euch lieber von Anfang bis Ende mit der gleichen ollen Axt umherlaufen. Gelegentlich findet ihr zwar auch mal ein magisches Artefakt oder eine Schrotflinte bzw. Munition dafür, aber diese Items sind mehr oder weniger losgelöst vom eigentlichen Kampfsystem und somit nicht der Rede wert. Solltet ihr gerade mal nicht mit Kämpfen beschäftigt sein, dann sucht ihr vermutlich mal wieder nach einem Schlüssel (oder einem Objekt, das die gleiche Funktion erfüllt), den ihr auf eurem Weg übersehen habt.

Bei Horror-Spielen sind Grafik und Gameplay aber natürlich nicht alles, denn diese Spiele leben vor allem von ihrer Atmosphäre und der Story. Doch auch hier kann Nightmare Creatures 2 nicht punkten, denn gruselig ist es sicher nicht. Zu Beginn des Spiels ist man noch neugierig, was einen in dieser düsteren Version der 30er erwarten mag, doch dann merkt man, dass es nur eine simple Kulisse für die nicht enden wollenden Kämpfe ist. Abgesehen von den vorgerenderten Zwischensequenzen am Ende jedes Levels existiert die Story quasi gar nicht. In ganz seltenen Fällen findet ihr mal eine alte Karte oder Aufzeichnungen von Crowley, die der Held kurz kommentiert, aber das war es dann auch schon. Ihr versucht zwar, die Welt zu retten, aber auf eurem Weg durch London und Paris begegnet ihr weder armen Seelen, die von Crowleys Bestien dahingerafft wurden, noch irgendwelchen Überlebenden. Wenn Wallace nicht hin und wieder von seiner Freundin reden würde, müsste man sich ernsthaft fragen, wofür er da eigentlich noch kämpfen will.

Screenshot nightmare creatures 2 strasse in paris.jpg Screenshot nightmare creatures 2 kino.jpg

Fazit

Es ist wohl nicht das schlechteste Spiel im ohnehin eher kleinen Dreamcast-Portfolio (es gibt schließlich noch Titel wie Spirit of Speed 1937), aber die Grafik ist eine ziemliche Beleidigung für den Kringelkasten und auch sonst gibt es wirklich keinen Grund, sich durch die rund 10h lange Kampagne zu quälen, außer vielleicht einer ausgeprägten Schwäche für B-Movies. Und darum mag man auch kaum glauben, dass Kalisto das großartige 4 Wheel Thunder und das uninspirierte Nightmare Creatures 2 fast zeitgleich veröffentlicht hat. Doch vielleicht liegt genau darin auch die Erklärung für das Desaster, denn es ist durchaus vorstellbar, dass man dem Racer intern den Vorrang und damit auch mehr Ressourcen gab. Ob es tatsächlich so war, werden wir wohl nie erfahren und vermutlich interessiert es auch niemanden mehr.


Grafik Bewertungspunkt.jpgBewertungspunkt.jpgBewertungspunkt.jpgBewertungspunkt.jpgKeinebewertung.jpgKeinebewertung.jpgKeinebewertung.jpgKeinebewertung.jpgKeinebewertung.jpgKeinebewertung.jpg
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Sound Bewertungspunkt.jpgBewertungspunkt.jpgBewertungspunkt.jpgBewertungspunkt.jpgKeinebewertung.jpgKeinebewertung.jpgKeinebewertung.jpgKeinebewertung.jpgKeinebewertung.jpgKeinebewertung.jpg
Gameplay Bewertungspunkt.jpgBewertungspunkt.jpgBewertungspunkt.jpgBewertungspunkt.jpgKeinebewertung.jpgKeinebewertung.jpgKeinebewertung.jpgKeinebewertung.jpgKeinebewertung.jpgKeinebewertung.jpg

Über den Redakteur:

Roberto (bzw. staR-Kron) ist der einzig verbliebene Redakteur des ursprünglichen Sega-DC.de-Teams. Neben seinen Aufgaben bei Sega-DC.de betreibt er unter dem Namen Polygonien noch einen kleinen Gaming-Blog, wo er sich vornehmlich Indie-, Nischen- und Art-Games widmet.